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Die Sache mit dem globalen und regionalem Suchvolumen

4.5/5 (2)

Diskrepanz der Suchvolumenangaben für regional bezogene und internationale Suchanfragen für die gleiche Google-Suche und Sprache

Die Problematik:

Frägt man im Google Keyword-Planer oder über externe, via Google API daran angeschlossene Systeme das Suchvolumen für einen Suchbegriff ab, erhält man teilweise deutlich unterschiedliche Angaben für Länder-bezogene oder weltweit bezogene Anfragen, auch wenn man für beide Varianten die gleiche Suchmaschine und Sprache als Filter einstellt.

Beispiele (* die Daten stammen vom September 2016):

Suchbegriff Abgefragte Suchmaschine und Sprache Suchvolumen für Deutschland (aktivierter Länderfilter) Suchvolumen weltweit (deaktivierter Länderfilter)
Individualsoftware Google.de und Deutsch 480 720
Anforderungsanalyse Google.de und Deutsch 1600 1900
Marketing Automatisierung Google.de und Deutsch 140 170
Marketing Automation Google.de und Deutsch 1000 22000
Online Strategie Google.de und Deutsch 260 1300

Quelle: keywordtool.io

Die ersten drei Beispiele zeigen nur relativ geringfügige, letztere hingegen eklatante Unterschiede.

Diese Problematik wird seit Jahren intensiv in Foren und Fachkreisen diskutiert und vor allem in letzter Zeit hat sie sich noch verstärkt, da google seit einigen Wochen Suchvolumina noch stärker rundet und z.B. keinen Unterschied mehr zwischen Singular und Plural-Anfragen macht.

Googles primäres Ziel ist es, Adwords Kunden mit den Daten nur eine grobe Orientierung dafür zu geben, auf welche Keywords ihre Werbekampagnen erfolgversprechend sein könnten. Google stellt die Daten nicht explizit für SEO-Zwecke zur Verfügung! Zu den Diskrepanzen äußert sich der Suchanbieter kaum, außer dass es sich generell um gerundete Mittelwerte der letzten 12 Monate handelt.

 

Mögliche technische, googleseitige Gründe für die Diskrepanzen:

  • Die Exaktheit der Länder- und Sprachenzuordnung der Suchanfragen ist fragwürdig, weil:
    • Es kommt vor, dass ein Suchender bei gleichbleibender Sucheinstellung z.B. in google.de mit Deutsch als Einstellung zwischendrin auch in einer anderen Sprache sucht. Die Frage ist, erkennt das Google immer korrekt und berücksichtigt die Suchvolumenberechnung von google diesen Effekt? Gerade bei zweideutigen Suchbegriffen dürfte das unmöglich sein (Beispiel Marketing Automation ist deutsch und englisch zugleich! Fließt dann weltweit auch englisches Suchvolumen mit ein?).
  • Die Exaktheit der Standort-Ermittlung auf IP-Basis des Suchenden ist fehlerbehaftet, denn:
    • Es gibt IP-Anonymisierungsdienste (Dunkelziffer), sowohl lokal wie auch online. Auch in der Googlesuche selbst kann man die Standortermittlung abschalten. Es ist nicht bekannt, dass Google alternativ z.B. GPS-Koordinaten der Suchenden verwendet (die sind ohnehin nur sehr begrenzt verfügbar, siehe auch Datenschutz).
    • Die dynamischen IPs von Providern können aus ganz anderen Gegenden sein, als der tatsächliche Standort der User. Dies ganz besonders bei Einwahl über Mobilfunk oder LTE (Fakt).
    • Sollte google evtl. auch das Suchvolumen für andere Suchmaschinen wie z.B. google.com mit einschließen, wenn die entsprechenden User bei Google als Deutsche mit deutscher Spracheinstellung eingeloggt sind, aber von Google umgeleitet werden, weil sie sich gerade im Ausland befinden, dann wäre das auch eine Erklärung (Mutmaßung).

 

Ursachen, die in dem Verhalten der Suchenden begründet sind:

  • Auslandsaufenthalt der Suchenden:
    • Mehrere Millionen Deutsche halten sich vorübergehend oder permanent im Ausland auf. Es kann sich dabei um Reisetätigkeit, Pendler, 2. Wohnorte oder echte Auslandsdeutsche handeln. Die genaue Zahl ist nicht einmal dem Bundesamt für Statistik bekannt:

Auslandsdeutsche sind Deutsche mit Wohnsitz außerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Es wird geschätzt, dass mehrere Millionen deutscher Staatsbürger im Ausland leben; zu dauerhaft oder vorübergehend im Ausland lebenden Deutschen verfügt die Bundesregierung jedoch nicht ausreichend über statistische Daten ([1], siehe auch: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers/160471/auslandsdeutsche).

  • Wer als Deutscher ein deutsches Googleprofil und google.de als bevorzugte Suchmaschine eingestellt hat und eingeloggt ist, landet auf google.de, auch wenn er sich im Ausland aufhält
  • Wer nicht eingeloggt ist, landet er auf der entsprechenden Landes-Suchmaschine google.ch etc. Es gibt sicher viele Deutsche, die google.de dennoch lieber benutzen und auch im Ausland auf Deutsch suchen, z.B. weil sie gerade im Ausland unterwegs sind und ihren Laptop oder Handy/Tablet benutzen, wo die entsprechende Voreinstellung für google.de „mitgenommen“ wird. Dies erklärt teilweise, warum im Ausland zusätzliches Suchvolumen generiert wird.
  • Unter Umständen suchen auch Bürger anderen Nationen in unserer Sprache und Suchmaschine zu bestimmten Zwecken, um sich beispielsweise genauer über unser Land oder eine Region zu informieren (Suche nach Firmen, Sehenswürdigkeitenetc.). Wir wechseln ja manchmal auch auf Auslandssuchmaschinen (google.com) wenn wir uns intensiver mit dem Land in der Suche (USA) beschäftigen und korrektere Ergebnisse (vor allem unvermischt mit der eigenen Sprache) erhalten möchten. Da dies ein gewisser Konfigurationsaufwand ist (man muss ja die automatische Umleitung auf die Ländersuchmaschine von google umgehen), dürfte der Prozentanteil hier relativ gering sein.

Fazit: wie relevant ist der Länderfilter für SEO?

  • Er ist nur dann wirklich relevant, wenn das eigene Geschäft/Website stark von regionaler Kundschaft abhängt und dafür unbedingt optimiert sein muss, damit es LOKAL gefunden wird (Local SEO). Dies ist nur bei sehr Standort-bezogenen Unternehmen wie z.B. Friseurläden, Restaurants, Hotels usw. der Fall. Aber selbst dann besteht die Gefahr bei aktiviertem Regionalfilter, dass diejenigen Suchanfragen übersehen werden, die eigentlich von Usern kommen, die sich für die Region entweder interessieren oder dort eigentlich wohnen, aber ihre Suchanfrage im Moment nicht aus der Region starten, weil sie sich z.B. gerade auf Reisen befinden. Viele regionalisieren ja ihre Suchabfrage, indem sie die Region direkt im Suchbegriff aufführen. Dann macht es natürlich keinen Sinn, das Suchvolumen für „Luxushotel in München“ mit dem Regionenfilter „München“ abzufragen.
    Vermutung: die Filter arbeiten nur Standortbezogen nach der IP und nicht danach, ob in der Suchanfrage der Standort eingegeben wird! Natürlich wäre sinnvoller a) die Abfrage für „Luxushotel“ mit Regionenfilter München und b) „Luxushotel in München“ ohne Regionalfilter, um dann die Werte zu vergleichen.
  • Nur wer weiß, dass seine Zielgruppen sich nur an einem Standort aufhalten oder sie nur an diesem Standort erreichen möchte, sollte seine Keywordrecherche auf einen Regionenfilter stützen. Bei Werbekampagnen ist das etwas anders, da hier sichergestellt werden muss, dass die Kampagnenbudgets nur für eine bestimmte Nachfrage in einer bestimmten Region ausgelegt sind und nur diese Zielgruppen erreicht werden sollen. Ansonsten würde man u.U. sehr viel Adwords-Budget vergeuden.

Bei SEO liegt der Fall etwas anders: Lieber etwas zu viele Personen über die organische (nicht kostenpflichtige) Suche erreichen und sie selbst entscheiden lassen, inwiefern das Suchergebnis für sie an ihrem aktuellen Standort und zu dem entsprechenden Zeitpunkt gerade relevant ist, als diese Personenkreise möglicherweise per Suchbegriff und Keywordoptimierung überhaupt nicht zu adressieren.

  • Denn: baut man seine Keywordrecherche zu eng und spitz auf einem Regionenfilter auf, tauchen seitens google viel weniger Keywordvorschläge auf, die im direkten Kontext mit dem eingegeben Keyword stehen. Sie haben ja dann weniger Suchvolumen bzw. stehen nicht im Kontext zum Standortfilter
  • SEO-Wettbewerber: nur wer sich gegenüber regionalem Wettbewerb durchsetzen muss sollte entsprechend regional zugespitzt z.B. nach Nischenkeywords suchen. Für Unternehmen, die das großzügiger und überregionaler sehen, spielt für das Ranking vor allem die Qualität des eigenen Angebots, der Website und Backlinks eine Rolle und nicht so sehr der Standort und die regionale Wettbewerbsdichte. Natürlich ist die Wettbewerbsdichte besonders für Einwort-Kombinationen im überregionalen Bereich groß, aber dafür auch oft heterogener. Außerdem sind Suchende bei solchen Suchanfragen auch eher bereit, auf die 2. Suchergebnisseite weiterzublättern, wenn ihnen die immer wiederkehrenden „Platzhirsche“ wie z.B. Wikipedia nicht zusagen.
  • Rankingfaktor Local/Geo: eine streng standortbezogene Keywordoptimierung ist für google nur in der regionalisierten/personalisierten Suche z.B. für Firmenstandorte ein Rankingfaktor. Nicht für die allgemeine überregionale Websuche und bei nicht standort-bezogenen Suchanfragen. Wenn man also wichtige Themen im Ranking besetzen/erobern will, spielt der eigentliche Standort eines Unternehmens keine Rolle, außer die Leistung kann ausschließlich nur direkt vor Ort (z.B. offline) erbracht werden (aber selbst dann weiß das google nicht unbedingt).
  • Es empfiehlt sich also, den Fokus bei der Keywordrecherche im Hinblick auf Suchvolumen und –Chancen zuerst auf die weltweite Nachfrage für die jeweilige Suchmaschine und Sprache auszulegen und erst dann im Nachhinein evtl. notwendige regionale Keywordoptimierungen und –Anpassungen vorzunehmen. Wer weiß schon, wo sich seine Zielgruppen aufhalten? Und warum nicht von irgendwo gefunden werden? Selbst wenn es sich bei diesem Suchenden aufgrund der Entfernung nicht um einen potenziellen Kunden handeln sollte, kann dessen Interesse für die Website dem Unternehmen indirekt und vor allem auch dem Ranking förderlich sein!

 

 

 

 

 

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